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La Grande Guerre

 
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Auteur Bericht
Yvonne
Admin


Geregistreerd op: 2-2-2005
Berichten: 45583

BerichtGeplaatst: 17 Jan 2006 9:13    Onderwerp: La Grande Guerre Reageer met quote

Interview mit dem französischen Historiker Marc Ferro zum Ersten Weltkrieg

In Frankreich galt der Erste Weltkrieg „la Grande Guerre“ von 1914-1918 stets als der wichtigere der beiden Weltkriege. Anders in Deutschland. Dort ist der Erste Weltkrieg erst seit dem 90. Jahrestag wieder in den Fokus des Interesses gerückt. Welche Faktoren haben zu dieser ganz unterschiedlichen Wahrnehmung geführt?

Zunächst ist festzustellen, dass das Interesse der Deutschen am Ersten Weltkrieg nicht neu ist. Die Auseinandersetzung damit begann schon in den 60er Jahren. Ich erinnere zum Beispiel an den jahrelangen Streit um Franz Fischers Buch „Griff nach der Weltmacht“. In diesem 1961 erschienenen Werk weist Fischer nach, dass Hitlers Ambitionen eigentlich nichts Neues waren. Weitreichende deutsche Expansionspläne gab es bereits unter Kaiser Wilhelm II., vor 1914. Anders gesagt, Hitler war mehr als nur ein „Unfall“ der deutschen Geschichte.
Danach war das Thema gut zehn Jahre lang tot. Doch jetzt beschäftigen sich die Deutschen auf der Suche nach den Ursprüngen des Zweiten Weltkriegs intensiver mit 1914.
In Frankreich erklärt sich das anhaltende Interesse am Ersten Weltkrieg aus der Tatsache, dass die Niederlage Deutschlands 1918 für uns ein großer Sieg war. Das gilt übrigens auch für England, das in Deutschland – genau wie die Franzosen – eine große Bedrohung sah. Deshalb wird der Krieg von 1914-1918 glorifiziert. Es gibt noch einen dritten Punkt: Frankreich, das 1914-1918 besetzt wurde, zahlte einen hohen Preis. Dass der Krieg gegen Ende so völlig absurd schien, war Anlass, sich über ein halbes Jahrhundert lang leidenschaftlich mit ihm zu beschäftigen: 1914 waren sämtliche Franzosen überzeugt, in einen gerechten Krieg zu ziehen. Am Ende, 1918, fragten sie sich, ob dieser Krieg überhaupt einen Sinn hatte.

In Deutschland war alles ganz anders. Die Deutschen haben lange gebraucht, um das Trauma der Niederlage von 1945 und die traumatische Erfahrung ihrer Begeisterung für Hitler zu überwinden oder zumindest aufzuarbeiten. Heute kann man sich wieder besser mit dem Ersten Weltkrieg auseinander setzen.

Was macht den Ersten Weltkrieg zum modernen Krieg?

Der Erste Weltkrieg ist deshalb modern, weil die gesamte Bevölkerung mobilisiert wird. Früher bestanden Armeen ausschließlich aus Berufssoldaten. 1914-1918 setzt man nicht nur Zivilisten in der Waffenproduktion ein, es wird erstmals auch die Propagandamaschinerie in Gang gesetzt. Die Zivilbevölkerung steht nicht mehr außen vor. Jeder wird eingebunden.

Vor allem war dieser Krieg eine Materialschlacht. Das gab es früher nicht. Vor 1914-1918 setzte man auf Truppen, auf möglichst viele Soldaten. Als Rumänien noch unschlüssig war, ob es sich auf die Seite Deutschlands oder Frankreichs stellen sollte, hat man zum Beispiel nachgerechnet, wie viele Divisionen und Soldaten ihm zur Verfügung standen. Ab 1916 zählten vor allem Waffen. Der Krieg hatte sich zur Materialschlacht gewandelt.

In den Köpfen der Generäle bewegte er sich allerdings noch irgendwo zwischen Vergangenheit und Neuzeit. Bei den Siegesparaden 1918 defilierten die Sieger hoch zu Ross, um deutlich zu machen, dass sie Militärs, Soldaten und Helden waren. Doch den Krieg selbst haben sie vom Automobil aus geführt. Krieg und Sieg, das waren zwei verschiedene Welten. Einerseits das Ross, wie im Mittelalter oder im 18.Jahrhundert. Andererseits die Technik, die in diesem Krieg nach und nach alles dominiert.

Die eigentlich große Neuerung war jedoch, dass Amerika Europa eine Form der Kriegsführung beibrachte, deren Ziel es war, möglichst wenig Soldaten zu opfern. Von Frankreichs Marschall Pétain ist der Ausspruch überliefert: „Ich warte bis die Panzer und die Amerikaner hier sind.“ Er setzte auf Waffen, während die Militärs in den ersten Kriegsjahren vor allem mehr Soldaten forderten. Deshalb war der erste Weltkrieg ein moderner Krieg. Ein Krieg der Technologie, der Technik. Frühere Kriege waren Soldatenkriege, Soldaten zu Fuß, zu Pferd oder sonst wie.

Die Zivilbevölkerung hat im Ersten Weltkrieg mehr gelitten als in den bewaffneten Auseinandersetzungen des 19. Jahrhunderts. Unter anderem an Hunger. Wie haben sich die Menschen hinter der Front verhalten?

Das Besondere am Ersten Weltkrieg war der innere Zwiespalt, in dem jeder Franzose, jeder Deutsche, jeder Engländer lebte, und vor allem der innere Konflikt, unter dem Frankreich und Deutschland litten. Ein Konflikt zwischen Soldaten und Zivilisten. Als der Krieg ausbrach, zogen die Soldaten mit der festen Überzeugung ins Feld, der Krieg sei bald vorbei und sie würden in drei bis sechs Monaten, nach ein oder zwei Feldzügen als strahlende Sieger mit Blumen im Gewehrlauf heimkehren. Doch dem war nicht so. Der Krieg zog sich hin.

Je länger er dauerte, desto mehr drängten die Zivilisten: „Wie sieht’s aus? Werdet ihr den Krieg gewinnen?“. Das verunsicherte und war furchtbar. Die Frauen emanzipierten sich. In Frankreich wie in Deutschland. Die Männer waren weit weg. Der deutsche Regisseur Pabst zeigt in seinem „Westfront 1918“ wie Soldaten auf Fronturlaub ihre Frau im Bett mit einem anderen erwischen. In Frankreich gibt es ähnliche Filme und Romane.

Es ist erschreckend, dass zivilisierte Staaten damals nicht in der Lage waren, die Krise beizulegen. Warum wurden Alternativen zum Krieg nicht ausreichend bedacht?


Man hat gar nicht ernsthaft darüber nachgedacht, weil man den Krieg wollte. Kaiser Wilhelm II. wollte ihn, Kaiser Franz Joseph wollte gegen Serbien Krieg führen, Frankreich wollte den Krieg, um Elsaß-Lothringen zurückzuerobern. Die politischen Führungen waren auf Krieg aus, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Gleichzeitig gab es in Frankreich, in Deutschland und in England eine sehr starke pazifistische Bewegung. Doch die Pazifisten konnten sich nicht durchsetzten, der Patriotismus behielt die Oberhand. Und deshalb wurde zur Schlacht geblasen.

Der Italiener Benedetto Croce brachte es auf den Punkt. Er sagte: Vaterlandsliebe ist eine Frage des Instinkts, Pazifismus und Sozialismus sind Ideen. Man kann es auch anders ausdrücken: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts versinnbildlichte die Nation, der Staat alles Positive. My country is right – Mein Land ist immer im Recht. Regierungen können Fehler machen, doch das Land ist immer im Recht. Das Volk stand hinter der Regierung - was nicht immer der Fall war - und unterstützte deren Kriegsentscheidung. Nichts deutet darauf hin, dass man den Krieg verhindern wollte.

Hinzu kommt, dass der Krieg von 1914 - 1918 nicht gleich von Anfang an ein Weltkrieg war. Bekanntermaßen beschränkte er sich zunächst auf Österreich und Serbien, bevor er Russland usw. erfasste. Schließlich weitete er sich zum Weltkrieg aus, in den auch Japan und die USA eintraten. Der Krieg war nicht als Weltkrieg geplant. Gewissermaßen hat niemand damit gerechnet, dass er sich so entwickeln würde.

Ist das der Grund für die damalige Kriegsbegeisterung auch bei den deutschen und französischen Intellektuellen und Künstlern?

Ja. Wenn Sie so wollen, liegt hier der große Unterschied zwischen den beiden Weltkriegen. Wie schon gesagt, waren bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs zunächst alle Beteiligten überzeugt, das Recht stehe auf ihrer Seite. Zum Beispiel meinten bekannte französische Zeitgenossen, der Sieg sei Frankreich sicher, weil es für eine gerechte Sache kämpfe. Ein elsässischer Soziologe sagte: „Der Nutzen dieses Kriegs besteht darin, dass er sich gegen den Krieg richtet.“ Soviel zur damaligen Einstellung der Franzosen.

Die Deutschen verhalten sich nicht anders. Sie verherrlichen den Krieg und teilen die Menschheit in zwei Lager: Auf der einen Seite die Krämer - die Engländer - und auf der anderen Seite die Helden - die Deutschen.

Das gleiche Bild auch in England. Die Engländer sind so patriotisch, dass sie am liebsten die Musik von Wagner, Brahms, Mendelssohn und Richard Strauss verbieten und nur noch die englische Siegeshymne „It’s a long way to Tipperary“ spielen lassen würden. Künstler und Intellektuelle gebärden sich wie Chauvinisten. Jeder ist irgendwie für den Krieg. Kriegskritiker wie Romain Roland, der in die Schweiz flüchtet, gelten als Verräter, auch wenn sie dem hohen Ideal des Pazifismus folgen. Was übrigens allgemein bekannt ist.

Im Zweiten Weltkrieg ist alles anders. Das Gegenteil ist der Fall. Anfangs fragen sich die Franzosen, warum und wofür sie kämpfen sollen. Später solidarisiert man sich im gemeinsamen Kampf gegen die Nazis. In Deutschland werden Hitlers Siege anfangs bejubelt, wahrscheinlich weil die ersten Siege leichte Siege sind. Gegen Ende des Krieges herrscht Fassungslosigkeit: Wie konnte Deutschland besiegt werden, obwohl die Deutschen ihrer Führung treu gefolgt sind, obwohl sie gehorsam alles getan haben, was man von ihnen verlangt hat? Die Haltung der Intellektuellen im Ersten Weltkrieg ist nicht vergleichbar mit ihrer Einstellung zum Zweiten.

Was beschäftigt die Historiker heute am Ersten Weltkrieg? In Deutschland hat man sich lange Zeit mit der Kriegschuldfrage auseinander gesetzt. Sie selbst haben Fischer zitiert. Interessieren sich deutsche Historiker für andere Fragen als ihre französischen Kollegen?


Ich glaube, das größte Problem in den Augen der deutschen Historiker, und zunehmend auch in denen ihrer französischen Kollegen, ist die Frage, wo die Wurzeln für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs liegen. Den Deutschen ist klar, dass der Nationalsozialismus für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs steht. Doch sie sind selbstkritisch genug, um anzuerkennen, dass Deutsche auch vor den Zeiten des Nationalsozialismus Verbrechen begangen haben. Ein Gouverneur namens Göring, der Vater von Hermann Göring, führte zum Beispiel einen Vernichtungsfeldzug gegen die Hereros in Deutsch-Südwestafrika. Das war vor dem Nationalsozialismus, das gab es schon früher.

Die Franzosen haben in Algerien und Indochina Abscheuliches getan. Die Engländer in Indien. Jetzt will man herausfinden, wie es zu diesen Verbrechen und den Völkermorden kommen konnte und stellt dabei fest, dass der Zweite Weltkrieg sozusagen die Fortsetzung des Ersten war. Im Ersten Weltkrieg hat man sich an Formen kollektiver Grausamkeit gewöhnt, die es so früher nicht gab. Deshalb beschäftigen sich die Deutschen heute mit dem Ersten Weltkrieg, weil es eine Verbindung zum Zweiten gibt. Das Gleiche gilt übrigens auch für uns.

Die heutigen Fragen im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg sind die gleichen wie vor 20 oder 30 Jahren in Bezug auf den Zweiten. Man fragt zum Beispiel, ob nicht schon im Ersten Weltkrieg die gleichen Verbrechen begangen wurden wie im Zweiten. Bis dahin galt tendenziell, dass nur der Feind Verbrechen begeht. In französischen Büchern über den Ersten Weltkrieg wird immer nur die Opferbereitschaft der Soldaten gepriesen. Es heißt, unsere Soldaten waren Helden und haben viel gelitten. Das stimmt. Aber es wird nicht erwähnt, dass diese Soldaten Deutsche getötet haben. Tatsache ist, dass auch französische Soldaten brutal und gewalttätig waren. Genauso wie der Feind.

Gleiches trifft auf die Deutschen zu. Die Deutschen haben zehn, zwanzig Jahre lang vorgerechnet, wie viele Gefallene sie im Ersten Weltkrieg zu beklagen hatten. Aber auch sie haben Menschen getötet. Mit anderen Worten, man akzeptiert heute, dass es nicht nur von Seiten des Feindes Gewalt gab. Heute ist Gewalt allgegenwärtig. An die Stelle des nationalen Patriotismus ist das Problem der Missachtung der Menschenrechte getreten. Somit gibt es einen weiteren Grund, nach der Ursache von Gewalt zu forschen. Das ist eines der großen Anliegen der deutschen Geschichtsforschung.

Wie beurteilen Sie die These vom „Dreißigjährigen Krieg des zwanzigsten Jahrhunderts“, der zufolge der 1. und 2. Weltkrieg in einem engen Zusammenhang gesehen werden müssen?

Diese Aussage stammt von General De Gaulle. Er bezeichnete den Zweiten Weltkrieg als „Dreißigjährigen Krieg“. Die Fortsetzung des Ersten, das ist klar. Doch diese Erklärung ist unzureichend, denn die Ursachen für den Ersten Weltkrieg reichen viel weiter zurück. Ihr Ursprung liegt im Kampf der Nationen um die Weltherrschaft. Dieser Kampf wurde später auf einer anderen Ebene weitergeführt, sozusagen als Krieg der Ideologien, Sozialismus gegen Kapitalismus. Aus rein deutscher und französischer Sicht trifft die Aussage vom dreißigjährigen Krieg zu. Doch global betrachtet, macht sie wenig Sinn.

Herr Ferro, ich bedanke mich für dieses Gespräch.
Das Interview führte Angelika Schindler, ARTE Deutschland TV, 20.07.2004

Marc Ferro ist der Autor von:


Marc Ferro
La Grande Guerre, 1914-1918
Verlag: Gallimard, 1990
ISBN : 2070325830
http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/Der-Erste-Weltkrieg/_22La_20Grande_20Guerre_22/595616.html
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