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"Seine Schuld ist sehr groß" Interview met John Rö

 
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Auteur Bericht
Yvonne
Admin


Geregistreerd op: 2-2-2005
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BerichtGeplaatst: 23 Okt 2005 7:30    Onderwerp: "Seine Schuld ist sehr groß" Interview met John Rö Reageer met quote

Seine Schuld ist sehr groß"

Der Wilhelm-II.-Biograf John Röhl über die Verantwortung des Kaisers für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs

SPIEGEL: Professor Röhl, am 1. August 1914 sagte der französische Botschafter in Berlin, Jules Cambon, zu seinem britischen Kollegen: "Heute Abend gibt es drei Leute in Berlin, die bedauern, dass der Krieg begonnen hat: Sie, ich und Kaiser Wilhelm!" Hat Wilhelm II. den Ersten Weltkrieg nicht gewollt?
Röhl: Er hat ihn so, wie er gekommen ist, nicht gewollt.

SPIEGEL: Einen begrenzten Waffengang hat Wilhelm demnach aber schon angestrebt?

Röhl: Ja, obwohl zugegebenermaßen seine Reaktion auf das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 zunächst nicht sehr kriegerisch war. Er segelte gerade in der Kieler Förde, als Admiral von Müller ihn unterrichtete. Wilhelm fragte dann Müller: "Meinen Sie, ich soll die Regatta abbrechen?" Er wusste gar nicht, was er tun sollte. Und auch in den folgenden Tagen war von Kriegstreiberei nichts zu spüren. Man kann noch nicht einmal sagen, dass er unschlüssig war. Er ging einfach nicht davon aus, dass noch Verwicklungen kommen würden.

SPIEGEL: Aber Sie haben doch - ähnlich wie Fritz Fischer - behauptet, dass Berlin bereits seit 1912 einen Krieg "vorsätzlich" geplant habe. Dazu passt die Reaktion Wilhelms nicht.

Röhl: Ich will das nicht zurückziehen, aber ich weise darauf hin, dass ich hinter die Formulierung vom "vorsätzlichen Krieg" ein Fragezeichen gesetzt habe. Sicher ist eines: Die Berater des Kaisers sprachen seit 1911 davon, dass in wenigen Jahren der optimale Zeitpunkt für einen Krieg kommen würde. Sie wollten die deutsche Vorherrschaft in Europa erreichen, hegten aber die Sorge, dass das Kräfteverhältnis sich langfristig zu Ungunsten Deutschlands verschieben würde.

SPIEGEL: Aber was wollte Wilhelm?

Röhl: Am 3. oder 4. Juli - genau wissen wir das nicht - notierte der Kaiser am Rand eines Dokuments: "Jetzt oder nie. Mit den Serben muss aufgeräumt werden, und zwar bald." Das war ein Plädoyer für einen Krieg Österreich-Ungarns gegen Serbien.

SPIEGEL: Woher rührte der Wandel Wilhelms?

Röhl: Wahrscheinlich reagierte er so auf Grund eines Gesprächs, das er mit einem Generalstabsoffizier und Balkanexperten am Abend des 3. Juli führte. Um das alles zu verstehen, müssen Sie sich eine Matrjoschka-Puppe vorstellen. Der Serbienkrieg ist die kleine Figur im Innern. Den wollten alle: der Kaiser, die Generalität, Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Österreich sollte damit seine Vorherrschaft auf dem Balkan sichern. Die Hoffnungen der Militärs und Bethmann Hollwegs gingen allerdings weiter: Sie planten auch einen Krieg gegen Russland und Frankreich, weil sie glaubten, dass die Gelegenheit günstig wäre, den Eindämmungsring zu sprengen, den Paris, London und St. Petersburg um das Reich gelegt hatten. Das ist die zweite Puppe. Das Attentat von Sarajevo kam Bethmann Hollweg insofern gelegen. Vielleicht haben die Deutschen sogar von dem Anschlagsplan vorab gewusst.

SPIEGEL: Wie kommen Sie denn darauf?

Röhl: Graf Alfred von Waldersee, der Generalquartiermeister, hat zwölf Tage vor dem Attentat die Militärbevollmächtigten, die die Könige von Sachsen, Bayern und Württemberg in Berlin unterhielten, zu sich gerufen und gebeten, keine schriftlichen Berichte mehr für die Kriegsminister ihrer Staatsregierungen zu verfassen. Das deutet darauf hin, dass etwas streng Geheimes vor sich ging.

SPIEGEL: Das klingt nach einer großen Verschwörung.

Röhl: Sicher ist: Im Kalkül Bethmann Hollwegs sollte Österreich-Ungarn im Falle eines Krieges an der deutschen Seite stehen. Daher brauchte man eine Balkankrise, so dass Wien von Anfang an involviert war. Russland musste zugleich als Angreifer dastehen. Denn sonst war die deutsche Bevölkerung für einen Krieg nicht zu gewinnen.

SPIEGEL: Und was ist die dritte Puppe?

Röhl: Der Krieg gegen England. Den wollten weder der Kaiser noch seine Generale. Die Konsequenz ihrer Politik haben sie insofern ganz falsch eingeschätzt.

SPIEGEL: Teilte der Kaiser denn das Kalkül Bethmann Hollwegs?

Röhl: Es gibt Indizien dafür. Am 5. Juli erschien der österreichische Botschafter im Neuen Palais in Potsdam mit einem Schreiben. Darin bat der österreichische Kaiser Franz Joseph um Rückendeckung für seine Pläne, gegen Serbien vorzugehen. Wilhelm sah sofort, dass sich ein Krieg mit Russland und Frankreich ergeben könnte. Dennoch sagte er: Auf mich können Sie sich verlassen. Das ist der berühmte Blankoscheck.

SPIEGEL: Haben Sie noch mehr Indizien?

Röhl: Am gleichen Abend und am nächsten Morgen empfing er Bethmann Hollweg, den Kriegsminister und führende Militärs, um sie über die Möglichkeit eines Krieges mit Russland zu informieren. Und was mir auffällt: Es gab keinen Dissens. Die nahmen das alle so hin, als ob dies eine Absprache sei, von der sie schon lange wussten.

SPIEGEL: Wenn Wilhelm wirklich das Risiko eines Weltkriegs einging, warum stach er dann am 7. Juli zu einer Kreuzfahrt in See?

Röhl: Bethmann Hollweg hatte ihn ausdrücklich gebeten, die übliche Nordlandreise anzutreten. Andernfalls, so sagte der Reichskanzler, würde ganz Europa merken, dass sich hier etwas anbahnt.

SPIEGEL: Aber führende Militärs gingen ebenfalls in die Ferien. Das macht man doch nicht, wenn ein Krieg bevorsteht.

Röhl: Auch dies sollte den Schein der Friedfertigkeit erwecken. Außerdem hielten sie ihre Vorbereitungen für abgeschlossen. Es gab keinen Grund, in Berlin zu verweilen.

SPIEGEL: Dennoch. Es fällt schwer zu glauben, dass ein Kaiser, der die Regierungszentrale verlässt, wirklich auf Kriegskurs ist.

Röhl: Es gibt noch einen Hinweis. Normalerweise fuhr der Kaiser bis zum Nordkap. Dieses Mal aber ging sein Schiff nur in Balholm vor Anker, rund 100 Kilometer nördlich von Bergen. In 22 Stunden konnte der Kaiser von dort aus Cuxhaven erreichen.

SPIEGEL: Aber das ist doch kein Beweis, dass der Kaiser den Krieg wollte.

Röhl: Vielleicht überzeugt Sie das: Am 25. Juli kam der Kommandant der deutschen Hochseeflotte nach Balholm und berichtete, dass der Krieg mit Russland näher rücke. Und was war die erste Reaktion Wilhelms? Er wollte die russischen Flottenstützpunkte Reval (Tallinn) und Libau (Liepaja) an der Ostsee beschießen lassen. Das redete man ihm aus, aber so war der Mann. Bethmann Hollweg bezeichnete Wilhelm in diesen Tagen als "geschwollenen Leutnant": nassforsch, militaristisch, kriegerisch.

SPIEGEL: Dann kehrte Wilhelm nach Deutschland zurück und bekam offenbar kalte Füße. Am 28. Juli notierte der preußische Kriegsminister Erich von Falkenhayn, der Kaiser halte "wirre Reden, aus denen nur klar hervorgeht, dass er den Krieg jetzt nicht mehr will".

Röhl: Das stimmt. "Jetzt" nicht mehr. Er bekam wirklich Angst, wenn auch nur vorübergehend. Aber man muss genau hinsehen: Die Unterjochung der Serben, die er als Räuberpack bezeichnete, durch die Österreicher wollte er weiterhin. Und auch den Flottenwettlauf mit Großbritannien mochte er nicht aufgeben. Als Bethmann Hollweg ihm auf dem Höhepunkt der Julikrise vorschlug, mit London eine Verständigung in dieser Frage zu suchen, lehnte er ab. Mit hochrotem Kopf verließ der Reichskanzler nach dem Gespräch damals den Raum.

SPIEGEL: Die Alliierten wollten den Kaiser vor Gericht stellen, "wegen schwerster Verletzung des internationalen Sittengesetzes". Dazu kam es nicht, weil die Holländer den 1918 ins Exil geflohenen Monarchen nicht auslieferten. Gehörte Wilhelm vor Gericht?

Röhl: Er hat keine Kriegsverbrechen verübt, keinen Mordbefehl erlassen oder dergleichen. Aber Verschwörung zu einem Angriffskrieg - das muss man ihm vorwerfen. Ich glaube, seine Schuld ist sehr groß, viel größer als gemeinhin unterstellt wird. Und wenn er vor Gericht gekommen wäre, wäre er auch verurteilt worden.

"Manchmal ist Wilhelm mit zwei Frauen gleichzeitig ins Bett gegangen. Das tut ein homosexueller Mann wohl eher nicht."

SPIEGEL: Waren die anderen denn vollkommen unschuldig? Immerhin koppelte Zar Nikolai II. sein Land immer enger an Serbien, das von einem großserbischen Reich träumte und aus der Großmacht Österreich-Ungarn eine Art Schweiz des Ostens machen wollte. Auf friedlichem Wege war das nicht möglich.

Röhl: Ich will Russen und Serben nicht verteidigen. Aber eines ist sicher: Das Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien bedeutete Krieg, und ohne die Deutschen hätte es das Ultimatum nicht gegeben. Ich glaube übrigens, dass es überhaupt nicht zu einem Krieg gekommen wäre, wenn die Deutschen ihren Weltmachtanspruch reduziert hätten.
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Laatst aangepast door Yvonne op 23 Okt 2005 10:31, in toaal 2 keer bewerkt
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Yvonne
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BerichtGeplaatst: 23 Okt 2005 7:31    Onderwerp: Reageer met quote

Seine Schuld ist sehr groß" (2)


SPIEGEL: Gemessen an den Maßstäben der Zeit, war der deutsche Wunsch nach einem Weltreich freilich nicht mehr und nicht weniger legitim als der französische oder britische.

Röhl: Da haben Sie Recht. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass die deutsche Politik ein Weltreich nicht an der Peripherie des Staatensystems, sondern auf Kosten der drei etablierten Weltmächte Russland, Frankreich und Großbritannien im Herzen Europas errichten wollte, und das musste zum Krieg führen.

SPIEGEL: Auch die britische Regierung hat sich in der Julikrise nicht mit Ruhm bekleckert. Sie hat in Berlin den Eindruck genährt, dass England neutral bleiben würde und damit den deutschen Kriegsbefürwortern in die Hände gespielt.

Röhl: Na ja, am 3. Dezember 1912 hat Kriegsminister Lord Haldane im Auftrag des britischen Außenministers Edward Grey ganz deutlich ausgesprochen, dass man die Vorherrschaft Deutschlands in Kontinentaleuropa nicht dulden könne.

SPIEGEL: Das war anderthalb Jahre vor der Julikrise. Es gab später auch andere Signale.

Röhl: Die Briten haben sich teilweise um einen Ausgleich bemüht, was in Berlin als Beleg dafür angesehen wurde, dass London im Kriegsfall neutral bleiben wolle. Insofern kann man sagen, dass die Briten den Fehler gemacht haben, zu freundlich gewesen zu sein.

SPIEGEL: Das war nicht die einzige Fehleinschätzung in der Julikrise.

Röhl: Stimmt. Der Kaiser unterschätzte seine Gegner. Er hielt wenig von Frankreich, weil es eine Demokratie war. Die Russen verachtete er als Slawen, da war Wilhelm ein Rassist. Und bei den Briten setzte er auf Verständigung mit König George V., obwohl der politisch keine Rolle spielte.

SPIEGEL: Wilhelm fühlte sich ernsthaft von seinen Cousins Nikolai II. und George V. hintergangen.

Röhl: Das war eine Art Verdrängung. Wilhelm sah ja, was für ein Desaster er angerichtet hatte. Er hatte bezeichnenderweise bei Kriegsbeginn eine Art Nervenzusammenbruch, der ihn für die Dauer des Krieges schwächte.

SPIEGEL: Welche Verwandlung ging da vor sich?

Röhl: Er wurde depressiv. Seine Frau schrieb ihm zwei Wochen nach Kriegsbeginn: "Nimm Dir nicht Alles so zu Herzen, Du mein Liebling, Du stehst so klar und gerecht vor der Welt." Er war in einem kümmerlichen Zustand und auch physisch angeschlagen auf Grund einer Hodenerkrankung, die 1917 operiert werden musste. Wilhelm konnte deshalb während des Krieges nicht reiten.

SPIEGEL: Dass er bei Kriegsbeginn von Skrupeln gequält wurde, macht ihn immerhin etwas sympathisch.

Röhl: Wilhelm war ein schwacher, leicht kränkbarer Mann. Sobald er sich verletzt fühlte, reagierte er unglaublich aggressiv. Das blieb so sein ganzes Leben lang.

SPIEGEL: Mit dieser psychischen Disposition stand er ja nicht allein, das war durchaus typisch für die damalige Zeit.

Röhl: Das mag sein, aber bei ihm war es auf Grund seiner Machtfülle von besonderer Bedeutung.

SPIEGEL: Wilhelm hat sich wieder aufgerappelt und wollte mit martialischen Reden die Deutschen für den Krieg mobilisieren.

Röhl: Na ja, er hat die Reden gehalten, die ihm aufgeschrieben wurden. Er hat sie im Studio übrigens noch mal nachgesprochen. Das sind die Aufnahmen, die wir heute hören können.

SPIEGEL: Der Wunsch nach Selbstdarstellung zog sich wie ein roter Faden durch Wilhelms Leben. Er war in der Hinsicht modern, fast ein Medienkaiser.

Röhl: Ja, das hat er früh begriffen, dass er sich zeigen musste. Aber seinem Selbstverständnis nach war er autokratisch, militaristisch und reaktionär.

SPIEGEL: Hat sich der Kaiser vorher überlegt, wie er die Sozialdemokraten für den Krieg gewinnen könnte?

Röhl: Er wollte die sozialdemokratischen Führer alle verhaften, aber Bethmann Hollweg sagte zu ihm, ich mache das auf meine Weise. Und das hat sehr gut geklappt. Viele Deutsche glaubten tatsächlich, sie würden angegriffen.

SPIEGEL: Wilhelm hielt sich während des Krieges im Hauptquartier auf. Welche Rolle spielte er dort?

Röhl: Seine Berater durften ihm schlechte Berichte nicht zeigen. Niederlagen hat er schnell als Katastrophen empfunden. Und wenn ein Sieg gemeldet wurde, ließ er gleich Champagner kommen, weil er glaubte, der Krieg sei gewonnen. Er hat sich da in Phantasiewelten geflüchtet. So faselte er 1917 von "einem Kreuzzug gegen das Böse - Satan - in der Welt" und sah sich als "Werkzeug des Herrn". Diese Flucht hat schon fast etwas Hitlerisches.

SPIEGEL: Aber anders als der "Führer" hat er sich nicht eingemischt.

Röhl: An der Kriegführung im Detail war er nicht beteiligt. Das heißt aber nicht, dass er auch politisch keine Rolle mehr spielte. Denn er war die letzte Entscheidungsinstanz.

SPIEGEL: Aber hat er denn wirklich so viel entschieden?

Röhl: Er hat gegen das Drängen der Marine bis 1916 der Hochseeflotte die Erlaubnis zum Auslaufen verweigert, weil er um seine Schiffe fürchtete und die Stärke der britischen Flotte richtig einschätzte. Er traf sodann alle wichtigen Personalentscheidungen. Und er sagte "Ja" zum uneingeschränkten U-Boot-Krieg, was den Kriegseintritt der USA bedeutete. Eine verhängnisvolle Fehlentscheidung.

SPIEGEL: Aber er war eher Getriebener als Treiber.

Röhl: Ich habe das als Königsmechanismus beschrieben. Es waren fast immer zwei Richtungen in Militär und Regierung vorhanden, die gegeneinander kämpften, und er musste entscheiden.

SPIEGEL: Von programmatischer Politikgestaltung ist das weit entfernt.

Röhl: Vor dem Krieg war das anders. Wilhelm hatte nach der Entlassung Bismarcks 1890 das politische System ganz auf sich zugeschnitten.

SPIEGEL: Und damit hat er sich übernommen.

Röhl: Ja, es kam mit der Zeit zu einem heillosen Durcheinander. Wir Historiker nennen das polykratisches Chaos. Die Behörden machten, was sie wollten. Die Armee plante für einen Landkrieg, die Marine für einen Seekrieg, ohne dass man sich koordinierte.

SPIEGEL: Wilhelm war bis 1914 ein gewöhnlicher Antisemit. Wurde sein Judenhass während des Krieges schärfer?

Röhl: Ich glaube, die Niederlage und seine erzwungene Abdankung ließen ihn zu einem wirklich eliminatorischen Antisemiten werden. 1919 bezeichnete er die Juden als "Giftpilz am deutschen Eichbaum", der ausgerottet und vom deutschen Boden vertilgt werden müsse. Und 1927 ließ er bei Fritz Haber, dem Erfinder des Giftgases, anfragen, ob es möglich sei, ganze Großstädte zu vergasen. Aus dem gleichen Monat stammt dieses schreckliche Zitat, in dem er die Presse, Juden und Mücken als "Pest" bezeichnete, von der sich die Menschheit befreien müsse. Er notierte handschriftlich dazu: "Ich glaube, das Beste wäre Gas."

SPIEGEL: Aber kann das nicht auch nur ein weiteres Beispiel für Wilhelms gedankenloses Schwadronieren sein?

Röhl: Wissen Sie, damit wird Wilhelm immer entschuldigt. Jeder andere Staatsmann würde bereits für einen Bruchteil der Äußerungen Wilhelms verurteilt werden.

SPIEGEL: Wilhelm wurde mit einem verkrüppelten Arm geboren, als Kind mit Stromstößen und Kopfstreckmaschinen schrecklich gequält, um die Behinderung zu beheben. Dass der Mann gestört war, kann einen nicht verwundern.

Röhl: Das stimmt. Und dann sammelte er leider um sich Berater wie Philipp zu Eulenburg, die dafür sorgten, dass seine Macht wuchs, obwohl es hundertfach Warnungen gab, dass Deutschland nicht so autokratisch regiert werden könne, wie es der Kaiser anstrebte.

SPIEGEL: Sie haben im Zusammenhang mit Eulenburg einmal davon gesprochen, dass Wilhelm bisexuell gewesen sei.

Röhl: Das muss ich zurücknehmen. Inzwischen kenne ich die ganzen Frauengeschichten Wilhelms inklusive der unehelichen Kinder. Manchmal ist er mit zwei Frauen gleichzeitig ins Bett gegangen. Das tut ein homosexueller Mann wohl eher nicht.
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Yvonne
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BerichtGeplaatst: 23 Okt 2005 7:31    Onderwerp: Reageer met quote

SPIEGEL: Dass viele Homosexuelle wie Eulenburg und General Kuno Graf von Moltke in seiner Entourage waren, hat also nichts zu sagen.

Röhl: Nein, Wilhelm wollte angehimmelt werden, und wenn das Männer taten, hatte das aus seiner Sicht mehr Gewicht, als wenn die Bewunderung von Frauen kam.

SPIEGEL: Es gibt wohl niemanden auf der Welt, der sich so intensiv mit Wilhelm beschäftigt wie Sie. Haben Sie auch sympathische Züge an ihm entdeckt?

Röhl: Das vielleicht nicht, aber Mitleid kann man mit ihm haben für die frühen Jahre. Man kann zudem seine Dynamik bewundern. Er war ja an vielem interessiert. Und er schneidet im Vergleich zu den anderen Monarchen in Europa nicht schlecht ab. Denn das waren nun ganz traurige Typen, wirklich totale Nieten.

SPIEGEL: Professor Röhl, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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Das Gespräch führten die Redakteure Martin Doerry und Klaus Wiegrefe.

Bron: Spiegel, betaalde versie.
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Yvonne
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BerichtGeplaatst: 23 Okt 2005 7:34    Onderwerp: Reageer met quote

Zie ook voor de broodnodige nuance dit prima stuk over Wilhelm:

http://www.forumeerstewereldoorlog.nl/viewtopic.php?t=1927
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