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Ein Hammerschlag ...Historiker widerlegen die Legende

 
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Auteur Bericht
Yvonne
Admin


Geregistreerd op: 2-2-2005
Berichten: 45588

BerichtGeplaatst: 25 Jan 2006 9:05    Onderwerp: Ein Hammerschlag ...Historiker widerlegen die Legende Reageer met quote

"Ein Hammerschlag ..."

Historiker widerlegen die Legende von der Kriegsbegeisterung der Volksmassen im Herbst 1914.



Gerade erst hat sich der Abiturient an der Münchner Universität einschreiben lassen, da wirft er all seine Pläne um. "Auch für mich gibt es nun kein Halten mehr", schreibt Andreas Wilmer am Abend des 1. August 1914 seiner Mutter: "Wie alle meine Kommilitonen habe ich mich sofort freiwillig gemeldet."

Nie werde er die Eindrücke jenes Tages vergessen, die ihn wie all die anderen Erstsemester zu den Fahnen eilen lassen: "Vor der Feldherrenhalle stand ein Trommlerkorps mit blitzenden Pickelhauben. Als ein Feldwebel die Kriegserklärung verlas, jubelten alle; Strohhüte flogen in die Luft."

Glockengeläut, Choräle, wildfremde Menschen, die sich in die Arme fallen - jahrzehntelang galt als gesichert, dass die Volksmassen frohlockten, als der Krieg ausbrach. "Nur wenige Vorstellungen sind so tief in unserem historischen Bewusstsein verankert, wie die Kriegsbegeisterung von 1914", urteilt der Geschichtswissenschaftler Wolfgang Kruse: "Es scheint, als habe die europäische Bevölkerung den Krieg herbeigesehnt."

Ein Volk, das plötzlich keine Parteien mehr kennt, sondern nur noch Deutsche; siegesgewisse Soldaten in karnevaleskem Übermut; Sommerblumen in den Gewehrläufen; Truppentransporte in Waggons mit kriegerischen Kreideparolen - fast ein Jahrhundert lang prägen diese Bilder vom Kriegsbeginn die kollektive Erinnerung der Nation. Und doch: Sie spiegeln allenfalls die halbe Wahrheit wider.

Die Historikerzunft habe, so Kruse, den Volksglauben von der allgemeinen Kriegsbegeisterung "lange ungefragt übernommen". In Fachkreisen allerdings erregte der französische Historiker Jean-Jacques Becker 1977 Aufsehen mit einer Analyse von über 600 Stimmungsberichten heimischer Schulleiter. Fazit: Nicht mit allumfassendem Jubel hätten die Franzosen auf die Mobilmachung 1914 reagiert, sondern mit einem breiten Spektrum von Stimmungen - bis hin zu Entsetzen und Panik.

Im Kaiserreich sei es nicht anders zugegangen, ergänzte der US-Historiker Jeffrey Verhey in einer im Jahr 2000 in Deutschland erschienenen Studie. Der von der Heeresleitung immer wieder beschworene "Geist von 1914" sei weitgehend auf bürgerlich-akademische Großstädter beschränkt gewesen; in der Arbeiterschaft wie in der Provinz hätten bei Kriegsbeginn Unruhe, Angst und Entsetzen vorgeherrscht.

Tatsächlich belegen Unmengen von Quellen die Ansicht, dass die These von der Dominanz der Kriegsbegeisterung in Wahrheit ein "Konstrukt" gewesen sei, das die gelenkte Presse und die gezielte Kriegspropaganda sowie später die NS-Ideologen zum "Mythos" aufgeblasen haben.

Mittlerweile haben sich überall in Deutschland Profis wie Hobby-Historiker auf Spurensuche begeben. In Kirchen- und Stadtarchiven, Tagebüchern und Feldpostbriefen finden die Lokalforscher Belege, die das so lange kolportierte Bild vom Kriegsbeginn relativieren.

Selbst im Berliner Zentrum - wo Dokumentaraufnahmen den Zeitgenossen wie den Nachgeborenen alles beherrschende Begeisterung suggerierten - hielt sich die Hurra-Stimmung in Grenzen. "Viele Frauen mit verweinten Gesichtern", notierte ein Augenzeuge, der "Ernst und Bedrücktheit" registrierte: "Kein Jubel, keine Begeisterung". Wohl vernahm der Tagebuchschreiber "Hochrufe und singende Gruppen vor dem Kronprinzenpalais". Aber: "Die Weiterwegstehenden passiv".

Während das Großbürgertum feiert und junge Studenten sich kriegerische Abenteuer in fremden Ländern erhoffen, herrscht in Arbeiterfamilien Zukunftsangst: Wer soll sie ernähren, wenn der Ernährer in den Krieg zieht?

Im Berliner Arbeiterviertel Moabit hält ein Pfarrer fest: "Die eigentliche Begeisterung, ich möchte sagen, die akademische Begeisterung, wie sie sich der Gebildete leisten kann, der keine Nahrungssorgen hat, scheint mir doch zu fehlen. Das Volk denkt sehr real, und die Not liegt schwer auf den Menschen."

Verwirrung, zum Teil Verzweiflung befällt die sozialdemokratische Arbeiterschaft. Noch am 28. Juli hat etwa in Hamburg die internationalistisch gestimmte Partei zum "Protest gegen die Kriegshetze" aufgerufen - mit gewaltiger Resonanz.

"Ungeheuerlich", meldet das Parteiorgan "Hamburger Echo", sei der Andrang bei den Friedenskundgebungen: "Keiner der großen Säle" könne "auch nur entfernt die immer erneut anrückenden Scharen werktätigen Volkes fassen." Trotz strömenden Regens harre die Menge in "unübersehbarer Zahl" auf den Straßen aus.

Anfang August dagegen, nach der Mobilmachung, lassen sich Teile der Sozialdemokratie von der chauvinistischen Stimmung im Bürgertum mitreißen. Mehr und mehr verfängt die Propagandathese der Reichsregierung, Deutschland müsse sich gegen einen Ansturm von Feinden verteidigen - vor allem gegen das unter Arbeitern verhasste reaktionäre Zarenreich.

"Die subjektiv ehrliche, tatsächlich aber grundfalsche Überzeugung, dass Deutschland sich eines feindlichen Überfalls erwehren müsse, setzte auch unter SPD-Mitgliedern nationale Gefühle frei, die ihnen Schule und Militär eingepflanzt hatten und die durch den deklamatorischen Antimilitarismus der Partei vor 1914 nur oberflächlich übertüncht worden waren", analysiert der Historiker Volker Ullrich.

Den von der SPD-Führung nach Kriegsbeginn offerierten "Burgfrieden" und die Bewilligung von Kriegskrediten feiern großbürgerliche Militaristen als "Augusterlebnis" und als Geburt einer alle Klassen übergreifenden "Volksgemeinschaft". Viele Genossen dagegen reagieren auf die Wende desorientiert. Manch einer frage sich, so beschreibt ein Hamburger SPD-Mann die Stimmung an der Basis: "Bin ich verrückt oder sind es die anderen?"

Während die Großstädter mit gemischten Gefühlen reagieren, dominiert in der Landbevölkerung Niedergeschlagenheit.

Das von der Propaganda in allen Krieg führenden Nationen genährte Gefühl, es gelte das jeweilige Land gegen eine Welt von Feinden zu verteidigen, lässt auch internationalistisch gestimmte Arbeiter vorübergehend verstummen. Militante Kriegsbefürworter tun ein Übriges, Zweifler und Kritiker zum Schweigen zu bringen. In einer "vaterländischen Kundgebung" werden Friedensfreunde derart verprügelt, dass es selbst dem bürgerlichen "Hamburger Fremdenblatt" missfällt: Dass "gleich mit Fäusten dreingeschlagen" werde, entspreche "nicht dem Ernst der Stunde".

Während die Großstädter mit gemischten Gefühlen reagieren, dominieren in der Landbevölkerung Beklemmung und Niedergeschlagenheit. In Südbayern berichten Gendarmen, Schulmeister und Pfarrer über "gedrückte, ernste Stimmung" (Pfarrkirchen), "offensichtliche Beklemmung" (Ering) und "große Betrübnis" (Aretsried).

Kirchen sind überfüllt, allgegenwärtig scheint die Ahnung, auch dieser Krieg werde mit den zu erwartenden Opfern selbst bei "gutem Ausgang" eine "schwere Heimsuchung" bedeuten. Ein Gottesdienst geht als "Sacktüchleinpredigt" in die Chronik der Pfarrei Osterbuch ein: "Die Männer weinten, die Weiber schluchzten."

Auf die düstere Stimmung auf dem Lande geht am 2. August 1914 auch ein "Aufruf der Königin Marie Therese an die Frauen und Jungfrauen Bayerns" ein, doch bitte zur Notlinderung beizutragen: "Draußen fließt Blut, herinnen fließen Tränen." Entsetzen herrscht im Badischen, nahe der Westgrenze: "Das wuchtete wie ein Hammerschlag auf Herz und Hirn," heißt es im Freiburger Stadtarchiv. Aus Ebingen in Würtemberg ist eine ähnliche Reaktion überliefert: "Grauen erfüllt die Seelen."

Es gibt Ausnahmen von der Regel. Ledige junge Männer erhoffen sich von dem vermeintlichen Blitzkrieg ("Weihnachten sind wir wieder zu Hause") Prestigegewinn und Abwechslung. "Jetzt kommen wir auch einmal hinaus" - aus solchen und ähnlichen Äußerungen folgert Autor Ziemann, der Krieg habe für jungen Burschen auch "einen touristischen Aspekt". Die Kriegsfreiwilligen erwarten eher Auseinandersetzungen im Stil dörflicher Raufereien als jenes Gemetzel, das binnen vier Jahren 15 Millionen Tote fordern soll.

Als die jungen Soldaten in den Tagen der Mobilmachung in naiver Begeisterung die Züge zur Front besteigen, kommt es auch vielerorts auf dem Land zu Szenen, die von fern an die Jubelkundgebungen in Berlin erinnern. Auf den Bahnsteigen bemühen sich die Honoratioren, den Soldaten einen repräsentativen Abschied zu bereiten und ihnen Mut zuzusprechen. Deshalb, so Ziemann, werden "die Reservisten dann in festlicher Stimmung verabschiedet" - obgleich es vielen Angehörigen schwer fällt, die Tränen zu unterdrücken.

Mit einer merkwürdig anmutenden Melange aus Beklommenheit und Aufatmen reagieren auch in der Provinz manche Menschen auf die Mobilmachung. Nach Wochen quälender Ungewissheit und "ewigem Hin und Her" zwischen Kriegsängsten und Friedenshoffnungen löst die "schlimme Gewissheit" des Kriegsbeginns so etwas wie Erleichterung aus - lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.

Den Historiker Christian Geinitz erinnert die paradoxe Reaktion an das Verhalten von Angehörigen eines lange zwischen Tod und Leben schwebenden Unfallopfers: Erst das Ende der Ungewissheit ermöglicht eine emotionale Bewältigung des Ereignisses - ein psychologisches Phänomen, das womöglich auch einen Teil der Ausgelassenheit in den Städten erklärt.

Erfahrene Beobachter reagieren auf den Jubel der Jungen mit Schrecken. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl, diese singenden jungen Männerstimmen durch die Nacht zu hören und dabei zu wissen, sie ziehen ja alle in den Tod", beschreibt Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen, den Kriegsbeginn: "Es war oft kaum auszuhalten."

Der Münchner Abiturient Wilmer, der sich, von Begeisterung übermannt, am 1. August als Freiwilliger registrieren lässt, schreibt knapp ein Vierteljahr später aus Flandern nach Hause: "Mit welchen überschwänglichen Gefühlen bin ich in diesen Krieg gezogen, liebe Mutter. Und jetzt sitze ich hier, von Grauen geschüttelt."

Im November 1914 trifft ihn bei Langemarck ein Lungensteckschuss, und er diktiert im Lazarett einen weiteren Brief an seine Mutter: "Die Hölle konnte nicht schlimmer sein." Wenig später meldet ein Oberstabsarzt der Familie per Feldpost den Exitus des jungen Studenten: "Er starb für Gott und Vaterland."

JOCHEN BÖLSCHE

Uit: Der Spiegel, betaalde online versie.
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Richard



Geregistreerd op: 3-2-2005
Berichten: 13292

BerichtGeplaatst: 25 Jan 2006 9:38    Onderwerp: Reageer met quote

Ze baseren zich op voorbeelden, er zijn genoeg tegenvoorbeelden.
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Roma



Geregistreerd op: 17-2-2005
Berichten: 5083

BerichtGeplaatst: 25 Jan 2006 12:30    Onderwerp: Reageer met quote

Richard @ 25 Jan 2006 9:38 schreef:
Ze baseren zich op voorbeelden, er zijn genoeg tegenvoorbeelden.


Wir werden es wohl nie wissen...
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